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Mutafo Sommertörn 2008

Mit SY „Mutafo“ nach Bohuslän

In den vergangenen Wintern hatte die Stammcrew neben den üblichen Überholungsarbeiten die inzwischen 34-jährige „Mutafo“ (ein Schiff aus richtigem Holz), wie auch bei anderen älteren Damen durchaus verbreitet, etwas „geliftet“. Teile des Decks, der Plicht und die komplette Elektrik mussten erneuert werden, zudem wurden Umbauten im Vorschiff vorgenommen. Dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ entsprechend war dann für die Saison 2008 mal wieder eine größere Reise geplant.

Nach 1999 und 2002 sollte es in diesem Sommer erneut in die westschwedischen Schären gehen. Für zwei Mitglieder unserer Stammcrew stellte dieses Revier Neuland dar, auf die „Alten Hasen“ übt diese Gegend immer eine besondere Anziehungskraft aus. So wurden die Überführungstörns als gemeinschaftliche Langfahrten der Stammcrew geplant und durchgeführt.

Am 15. 7. 2008 schifften sich Hanna Heinze, Manfred Greinert, Knut Lemke, Lothar Meyer und Rainer (Bolle) Bahlo auf der Mutafo ein, und nach einem gemütlichen Kaffee/Tee wurden ca. 17:00 die Segel gesetzt. Es herrschten 4 Bft aus westlichen Richtungen, also sehr gut für einen Kurs Richtung Moen und weiter durch den Öresund. Erstes Ziel war der Hafen von Moelle (Region Kullaberg). Gedacht war, dass wir bei Sonnenaufgang die Kreidefelsen von Moens Klint sehen werden, allerdings frischte der Wind bis zeitweilig 6 Bft auf, so dass wir diesen Wegpunkt kurz nach Mitternacht passiert hatten. Leider war es bei Neumond stockfinster, der erhoffte Anblick der Kreidefelsen somit nicht möglich. Am 16. 7. gegen 12:30 segelten wir durch die Enge zwischen Helsingoer und Helsingborg und erreichten den Hafen von Moelle kurz vor 16:00. Somit hatten wir ca. 125 sm mit einem Schnitt von 5,4 Knoten nur auf Steuerbordbug absolviert, nicht schlecht für unsere „Alte Dame“.

Abends sind wir gemeinsam zum kleinen Fischerdorf Lerhamn gewandert, am folgenden Tag wurde der Kullaberg Nationalpark erkundet. Hauptattraktionen sind hier neben dem stärksten Leuchtfeuer des Kattegat (78,5 m über NN) die Felsformationen, vornehmlich auf der Westseite, und die kleinen Buchten auf der Ostseite des Gebietes. Auf dem Oberland ist eine gepflegte Golfanlage wunderschön in die Natur hineingebaut worden. Außer golfen kann man hier auf engem Raum alpin klettern, tauchen,  wandern und segeln. Das Ganze ist zudem ein Naturschutzgebiet, das im Gegensatz zu deutschen Äquivalenten den Menschen nicht ausgrenzt.

Am Freitag, den 18. 7. 2008, starteten wir gegen 8:00 zur zweiten Etappe mit dem Ziel Anholt. Wieder hatten wir Glück, west- bis südwestliche Winde von 4-5 Bft versprachen einen herrlichen Segeltag, der auch nicht durch kurze Schauer, welche  glücklicherweise südlich von uns durchzogen, getrübt wurde. Die 45 sm wurden mit einem Schnitt von 5 Knoten als die etwas leichtere Übung absolviert.

Die einzigartige Lage der dänischen Insel beschert dem Besucher im Sommer einen voll ausgebuchten Yachthafen. Wir waren rechtzeitig da, bekamen so einen guten Liegeplatz und hatten an diesem Abend auch noch Zeit für einen ausgedehnten Inselspaziergang. Herrliche Sandstrände, glasklares Wasser und eine Heidelandschaft, alles Attribute, welche die Insel als etwas Besonderes erscheinen lassen.

Am nächsten Morgen verließen wir nach einem ordentlichen Frühstück mit frischen dänischen Brötchen gegen 8:00 Anholt mit dem Ziel Fotö, eine kleine Insel des Schärengartens westlich von Göteborg. Der Wind wehte mit 5-6 Bft aus südlichen Richtungen, was uns die Gelegenheit gab, unseren neuen Spinnaker ausgiebig zu testen. So hatten wir eine rasante Reise nach Norden mit Spitzengeschwindigkeiten von über 10 Knoten unter Spi, was dennoch immer gut zu beherrschen war, eben segeln pur. Kurz nach 17:00 erreichten wir den kleinen, aber feinen Hafen von Fotö. Die 60 sm wurden immerhin mit einem Schnitt von 6,7 Knoten abgesegelt, was allen Beteiligten enormen Segelspaß bescherte.

Der Sonntag wurde als Hafentag mit ausgiebigen Spaziergängen sowie gemütlichem Kaffee-/Teetrinken verbracht. Bei herrlichem Sommerwetter nutzten wir diesen Hafen auch für eine gründliche Inspektion des Bootes über und unter Wasser. Es gab nichts zu beanstanden, somit waren gute Voraussetzungen für ungetrübte Urlaubswochen gegeben.

Montag erreichten wir, von Fotö kommend, gegen Mittag den Yachthafen „Lilla Bommen“ im Zentrum von Göteborg. Hier stiegen Hanna, Bolle, Knut und Lothar ins Auto, nachdem sie Irene (die per Auto gekommen war) und Manfred einen schönen Urlaub gewünscht hatten, und traten die Heimreise über Land an.

Fünf Wochen später war für die Familien Greinert und Lemke der Urlaub im Bohuslän vorbei, blieb noch der Rest von ca. 230 sm für die Überführung der Mutafo nach Warnemünde. Wieder per Auto reisten Bolle, Lothar und Manfred nach Göteborg, um gemeinsam mit Knut die Heimreise anzutreten. Wir wollten diesmal eine westlichere Route durch den Großen Belt nehmen, da die zur Verfügung stehenden Wetterberichte nur schnell ziehende kleine Tiefdruckgebiete im Angebot hatten, was auf instabiles, windiges und teilweise feuchtes Wetter schließen ließ. Für die westliche Route, nämlich unter der jütländischen Ostküste segelnd, sprach die angesagte Windrichtung aus SW mit späterer Drehung auf W. Wir träumten schon von einem Spinnakertörn von Fehmarn bis Warnemünde.

Also starteten wir am 25. 8. 2008 am Nachmittag in Richtung Vinga, einer kleinen Doppelinsel mit Leuchtturm und anderen Seezeichen südwestlich von Göteborg. Nach einem Inselrundgang wurde beim abendlichen Bier der Urlaub nacherlebt und die Route nach Hause besprochen.

Erstes Ziel war Oesterby auf der Insel Laesö. Der Wind kam aus WSW mit 5-6 Bft, was für die 38 sm eine muntere Kreuz bedeutete, die schließlich bei 7 Bft am frühen Abend in Oesterby endete. Hier wurden noch einmal die Chance auf Körperpflege per Dusche genutzt und die Dieselvorräte ergänzt, es sollte am nächsten Tag ein langer Schlag nach Omö gesegelt werden.

Allerdings kam alles anders als geplant. Begonnen hat der Törn mit gutem Wetter bei 4 Bft aus SW und einer vorausgesagten Drehung nach W. Also eine Kreuz mit langem Streckbug nach Süden. Am Nachmittag frischte der Wind auf, um sich bis zum Abend auf 7 Bft aus SW zu steigern. Was ausblieb, war die besagte Drehung auf W. Also Plan B: zwischenzeitlich war als Alternative Übernachten in Greena avisiert, doch der zunehmende Wind und die aufkommende See bewogen uns zu der Entscheidung, Anholt als Ziel zu nehmen, wo wir gegen 18:30 unbeschadet einliefen. Platz war diesmal mehr als ausreichend, man konnte längsseits am Steg liegen und somit das Boot sicher für diesen Wind festmachen.

Am folgenden Tag starrten mit uns unter Anderen auch eine Crew aus der Schweiz gebannt auf die Wetterseiten, welche im „Seglerhaus“ des Yachthafens kostenlos im Internet besucht werden konnten. Dichtung und Wahrheit war das Motto des Tages, alle uns zugänglichen Wetterberichte gaben für unser Revier 5-6 Bft aus SW-W, gemessen hatten wir im 3-Stundenrhythmus durchweg 7 Bft aus S-SW, Böen nicht erfasst. Ende vom Text: ein Hafentag zum Abwettern.

Über Nacht beruhigte sich das Wetter. Der Wind hatte entgegen allen bisherigen Prognosen auf NW gedreht, sich bei 5 Bft eingepegelt und sollte nach neuen Vorhersagen in den nächsten Tagen weiter rechtdrehen. Damit würde aus unserem erträumten Spinnakerkurs durch den Fehmarnbelt womöglich eine Kreuz werden. Wir beschlossen, doch den östlichen Weg durch den Öresund zu segeln und nahmen am 29. 8. 2008 gegen 6:00 die restlichen 175 sm nach Warnemünde in Angriff. Bei herrlichem Sonnenschein, aber doch schon recht kühlem Wind, ging es gut voran, gegen 13:00 war der Kullen erreicht, 16:30 segelten wir bei Helsingoer in den Öresund, mit mitlaufendem Strom und nachlassendem Wind passierten wir 20:00 den Kopenhagener Middelgrund. Als Sahnehäubchen erlebten wir einen phantastischen Sonnenuntergang mit der Kulisse von Kopenhagen im Hintergrund.

Noch in der Nacht verließ uns der Wind und nur mit der Strömung waren wir dann doch zu langsam, also mussten unsere 26 Pferde im „Keller“ die Arbeit  übernehmen. 6:30 erstrahlten die Kreideklippen von Moen im Glanz der aufgehenden Sonne, nur der Lärm der noch immer laufenden Maschine störte diese Idylle. Nach einem erfrischendem Bad und einem ausgedehnten Frühstück bei herrlichem Sonnenschein und weiterhin fehlendem Wind war es dann nicht schwer, unter Maschine die restlichen Meilen bis zum Alten Strom in Warnemünde zu absolvieren, wo wir am 30. 8. 2008 gegen 17:20 die Mutafo sicher an ihrem Liegeplatz fest gemacht haben.

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